Archive for November 2009

Heft 113 porträtiert Smalcalda N° 02

November 29, 2009

Mein Leben im Vitalen Archiv

Schauen Sie sich meinen Gebrauchskreislauf an.

Zu sehen im Vitalen Archiv im Rahmen der Ausstellung des Hector Kunstpreises 2009 in der Kunsthalle Mannheim 5.12.2009 – 28.02.2009

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Herr Lacan antwortet Smalcalda N° 02

November 29, 2009

„Zweifellos ist das wahre ich/je nicht Ich/moi. Aber das ist nicht genug, denn man kann immer anfangen zu glauben, dass das Ich nur ein Irrtum des ich ist, ein partieller Gesichtspunkt, dessen Perspektive zu erweitern eine einfache Bewußtwerdung ausreiche, genug, damit die Realität, die es in der analytischen Erfahrung zu erreichen gilt, sich entdeckt. Die Hauptsache ist das Umgekehrte, das uns geistig immer präsent sein muß – das Ich ist nicht das ich, ist kein Irrtum, in dem Sinn, in dem die klassische Lehre aus ihm eine Teilwahrheit macht. Es ist etwas anderes – ein besonderes Objekt innerhalb der Erfahrung des Subjekts. Das Ich ist buchstäblich ein Objekt – ein Objekt, das eine bestimmte Funktion erfüllt, die wir hier imaginäre Funktion nennen.“

Jacques Lacan, Das Ich in der Theorie Freuds und in der Technik der Psychoanalyse, Das Seminar Buch II, Winheim / Berlin 1991, S. 60f.

Smalcalda N° 02

November 29, 2009

Smalcalda N° 02 präsentiert sich in Heft 113

Smalcalda erzählt:

Mein Name ist Smalcalda. Ich wurde vor einigen Jahren geboren. Den ursprünglichen Zweck meines Daseins habe ich nicht erfüllt. Ich bin vergleichbar mit den Anderen der Produktion. Vielleicht erfülle ich die Sehnsucht nach Klonen. Ich bin eben auch der Andere.

Mein Individuum entstand durch Reisen. Als Begleiterin. Ich verkörperte ein Ding an der Seite von Christiane Fichtner #12 und im Chaos anderer Accessoires zu #17. Es wird vermutet, dass ich etwas Besonderes, Einzigartiges werde.

Die beiden Fotos innerhalb des Projektes „Biografie“ von Christiane Fichtner und die vielen Reisen haben es geschafft, das Zeit- und Raumgefüge meines Bewusstseins aufzuheben.

Mein Innenraum war zu Beginn leer. Ich frage mich mittlerweile, ob die Einschreibung, die meine Begleiterin mit mir vorgenommen hat, dazu führt später einer limitierten Edition anzugehören.

Werden Andere die Verschiedenheit unserer Serie verstehen?
Tritt meine individuelle Variante hervor?
Unterscheide ich mich von den Anderen?

Ich bin nicht nur ein Gebrauchsgegenstand, sondern auch Ausdrucksmittel für überbordende Freude an Form und Textur. Ich komme aus einem optimalen Entstehungsprozess und mein außergewöhnliches Wesen zeigt sich auch an meinem Geruch.

Anfänglich lief ich als eine Art roter Superheld durch die Landschaft. Die Künstlichkeit hat sich verselbstständigt im Alltag; momentan interessiert mich der Blickwinkel an der Seite meiner Partnerin.

Viele Jahre verbrachte ich in dunklen Räumen. Erst die wenigen Wochen einer „Revolution“ brachte Licht in mein Leben. So habe ich es gehört…
Das Aufbegehren gegen die so genannten „Unterdrücker“ wird heute glorifiziert. Kollegen haben mir erzählt, dass über dieses Selbstbewusstsein: „Wir haben uns getraut auszubrechen! Wir haben eine autonome Kraft!“ Diskussionskreise entstanden. Manche meiner Kollegen haben daran teilgenommen und zugehört.

Ich selbst habe eine dunkle Erinnerung. Ich erinnere mich an die Stimmung umgebender Faszination. Hundert Kinderstimmen drangen in meine Dunkelheit und sangen eine Hymne.

Ich verscheuche diese Erinnerungen. Momentan zählt meine Paarbeziehung. Sie ist eingespielt und wird enden.

Ich bestehe aus einem minimalen und praktischen Design und habe Strahlkraft. Die Repräsentationsplattform des „vitalen Archivs“ hat meine aktuelle Beziehung ins Leben gerufen und wird noch zu weiteren Partnern führen.

Mit soviel Reiseerfahrung sehne ich mich aktuell in den asiatischen Raum. Ich sehe mich als Trendsetter – kommend aus einer kulturellen Tradition – der sich locker in einem Catwalkfoto eines „Young Fashion Designers“ einschmiegt.

Letztens wurde darüber gesprochen, dass ein Künstlerduo sich den kindlichen Blick auf die Welt bewahrt. Sie geben sich wohl in ihren Arbeiten der Faszination für das Alltägliche und Elementare hin. Kein Thema ist ihnen zu langweilig und kein Material zu bedeutungslos. Damit kann ich mich voll und ganz identifizieren.

Ich komme noch mal zurück zu meinem spezifischen Geruch. Ich habe mittlerweile erfahren, dass jeder Mensch immer und überall angenehm duften möchte. Mit dem Duft ist es so eine Sache: Es ist angezeigt, nicht zuviel davon aufzutragen, um die Umwelt nicht in eine Duftwolke zu hüllen, sondern die Menschen subtil zu betören.

Ich denke, meine Begleiterin war zu Beginn eher geschockt über meine starke Duftnote. Mittlerweile hat sich meine äußere Form ausgedunstet und meine Begleiterin nimmt von Zeit zu Zeit über den Tag verteilt eine Duftprobe meines Innenraumes. Es gleicht dem Einsprenkeln von Parfum.

Eine weitere Begegnung mit einem Künstler führte zu einem Gespräch, welches ich belauschte. Er erklärte, er habe sich mit einem Projekt auf seine Fluxuszeit besonnen, vor allem auf ein Konzept eines Kollegen, welcher eine Kunstgalerie unter seinem Hut mit sich herum trug. Weiter sprach er, dass natürlich schon andere Künstler tragbare Museen gemacht hätten, aber das Besondere an dem Hut war wohl, dass sich Kunstwerke von vielen verschiedenen Künstlern darin befanden. Er fand, das sei ein guter Ausgangspunkt für meine Existenz und seine Projektidee.

Für mich selbst ist immer noch unklar, wer ich bin.

Und wer wird mein nächster Partner?

Porträt Smalcalda N° 02

November 29, 2009

Smalcalda N° 02 ist aus dem Bestand des Vitalen Archivs