Chinaprojekt Antwort

Christiane Fichtner antwortet am 02.02.2009:

Mein »Ich« bildet das Zentrum für meine Arbeit.
Es ist die Frage, ob es die Peripherie daher wirklich gibt. Da, wo sich der Mensch aufhält, bildet er über sein »Ich« das Zentrum.

Bilder entstehen vor allem aus Bildern.
Gedanken entstehen vor allem aus Gedanken.
Konzepte entstehen vor allem aus Konzepten.

Ich – Du.
Spiegelbeziehung.
Das »Ich« steht in Beziehung mit dem Anderen.
Mode. Begeisterung. Manipulation. Projektion. Einfluss. Verdauung. Gehirnwäsche. Diskurs.
All diese Begriffe bilden einen Teil der Spiegelbeziehung.

Zum Arbeiten brauche ich ein Notizbuch, Stifte und mich selbst. Dafür kann ich auf dem Mond sitzen, in einem Bergdorf am Comer See oder in New York.
Für den Diskurs, den Kunstbetrieb brauche ich das Gespräch, den Austausch, die Begeisterung, die Zeigeform und die wird in Fülle in den Städten und Metropolen betrieben und angeboten.

Die Frage der Peripherie und des Zentrums spielt eine Rolle im Kunstbetrieb und in der eigenen Biografie (die speziell in Europa zum Entziffern des künstlerischen Werkes gehört).

Eine Arbeit, ein Werk in der Kunst braucht Kriterien oder auch eine erkennbare Codierung um dechiffriert zu werden. Das Wissen, um eine Künstlerin, die in einer Großstadt aufwuchs, an einer etablierten Kunstakademie studierte und jetzt »am Puls der Zeit« in einer Metropole lebt, lässt sich leichter auf ihr künstlerisches Werk anwenden, um dieses zu dechiffrieren. Diese Bedeutung verweist eher auf die Schwäche von uns Menschen, als auf die Kraft der Metropole.

In meinem Projekt »Biografie« hinterfrage ich interaktiv die Bedeutung der Vita in Bezug auf die künstlerische Arbeit. Ich treibe diese Kollaboration bis zur eigenen Selbstauflösung, indem ich die »Fakes« als Realität benutze.

Was bin ich für eine Künstlerin, wenn ich in Sao Paulo geboren wurde, im Unterschied zu meinem Geburtsort Jena oder meinem Geburtsort Le Nairrac?
Was bin ich für eine Künstlerin, wenn ich in einer Metropole ausgebildet wurde, im Unterschied zu einer Szenefrau, die sich autodidaktisch in die Kunst spielt?

Viele der so genannten Kunstmetropolen opfern ihr »Kunst-Leben« dem ökonomischen Sektor und haben deshalb viel und gleichzeitig wenig zu bieten.

Die so genannte Peripherie – und in meinem Fall der Wechsel zwischen Städten wie Bremen (Peripherie) und Berlin (Zentrum) – ermöglicht mir aus der »Reisedistanz« einen Blick, der anders ist, als wenn ich voll und ganz in einem Zentrum einer Metropole leben würde. Ich suche den Wechsel, die Reise und die Veränderung meines Blickes, um meine Wahrnehmung zu schärfen.

Vielleicht könnte ich dies auch am Bildschirm meines Rechners in Mexiko City oder in Galan/Frankreich.

Neben der virtuellen Welt verlangt mein Körper nach dem Unterwegssein, da die Gedanken dann anders rollen. So wie sich auch beim physischen Gehen ein Gedanke leichter entwickeln lässt.

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